TU Berlin

Institut für ChemieChemie-Ticker - RSS Feed

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Das Institut für Chemie trauert um Herrn Prof. Dr. rer. nat. Gerd Heppke

Lupe

Gerd Heppke wurde am 28. Oktober 1939 in Berlin geboren und studierte nach dem Abitur Physik in Berlin und in Freiburg. 1971 promovierte er und erlangte nach der Habilitation 1975 die Lehrbefugnis für das Fach Physikalische Chemie. 1979 wurde er zunächst außerplanmäßiger Professor und 1982 Professor für Physikalische Chemie an der TU Berlin.

In den frühen siebziger Jahren begann Gerd Heppke als Physiker mit der Untersuchung grundlegender Eigenschaften von Flüssigkristallen. Gemeinsam mit Frank Schneider publizierte er Arbeiten zu Ordnungsgradmessungen mittels ESR-Spektroskopie, zu Leitfähigkeitsmessungen, Viskositätskoeffizienten, elastischen Koeffizienten und magnetischen Feldeffekten an nematischen und smektischen Phasen, aber auch zum besonderen Phasenverhalten in Flüssigkristallmischungen, wie etwa induziert smektischen Phasen. Ende der siebziger Jahre stand die Untersuchung außergewöhnlicher Phasendiagramme und deren Verständnis im Mittelpunkt des Interesses, etwa re-entrant nematische und re-entrant smektische Phasen, aber sein Interesse galt auch der Untersuchung chiraler flüssigkristalliner Systeme. So leitete er grundlegende Beziehungen zwischen der Struktur chiraler Dotierstoffe und der Ganghöhe, dem Helixdrehsinn und dem Verdrillungsvermögen in nematischen Flüssigkristallen ab. Gerd Heppke erkannte, wie wichtig die Variation der Molekülparameter war, baute als Physiker mutig ein eigenes Chemielabor auf, und rekrutierte seine Mitarbeiter*innen aus der Chemie. Als er 1984 neu ausgebaute Laborräume im Ernst-Reuter-Haus bezog, war das physikalische Labor nur durch eine Tür vom Chemielabor getrennt bzw. verbunden. Dieser in mehrfacher Hinsicht kurze Weg ermöglichte ihm eine systematische und zugleich spannende Forschung zu Struktur-Eigenschaftsbeziehungen. In den frühen achtziger Jahren beschäftigte sich Gerd Heppke mit dem Verständnis der Blue Phase, einer dreidimensional verdrillten und damit optisch isotropen Struktur und entdeckte bei dielektrischen Untersuchungen die Änderung des Maximums der schmalbandigen Selektivreflexion mit brillanten Farbeffekten, beschrieben in einem seiner insgesamt 19 Patente. In seinem Chemielabor wurden Verbindungen mit außergewöhnlichen Eigenschaften synthetisiert, die bestehende Rekorde brachen, Dotierstoffe mit einer temperaturabhängigen Helixinversion, außergewöhnlich hohem Verdrillungsvermögen oder ferroelektrische Flüssigkristalle mit extrem hoher spontaner Polarisation. Seine Arbeiten reichten von der Theorie der Phasenübergänge bis zu elektrooptischen Anwendungen. Neben den kalamitischen Flüssigkristallen galt sein Interesse auch den diskotischen Flüssigkristallen und deren Verhalten im elektrischen Feld, ebenso wie den „banana-shaped“ Molekülen, die als achirale Moleküle chirale Phasen ausbilden. Die Liste der spektakulären materialwissenschaftlichen und theoretischen Erkenntnisse ließe sich noch fast beliebig fortsetzen. So sollte aber noch erwähnt werden, dass Gerd Heppke über mehrere Dekaden Mitherausgeber der Zeitschrift „Molecular Crystals and Liquid Crystals“ war, ebenso Mitglied des „board of directors“ der Internationalen Flüssigkristallgesellschaft. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war Gerd Heppke auch ein herausragender Wissenschaftsmanager. So hat er mit Beginn der achtziger Jahre über die Einrichtung eines „Interdisziplinären Forschungsprojektes“ und eines „Universitären Forschungsschwerpunktes“ den Grundstein gelegt für den Sonderforschungsbereich 335 „Anisotrope Fluide“, der von 1987 bis 1998 von der DFG gefördert wurde und in dem er eine zentrale Rolle in der Koordination von ca. 20 Teilprojekten inne hatte. In der Vorwendezeit und nach der Wende 1991 hat er intensive Kontakte zur Martin-Luther-Universität Halle gepflegt und sofort nach der Wende die Arbeitsgruppen der bedeutenden traditionsreichen Flüssigkristallforschung in Halle in den Sonderforschungsbereich eingebunden, was mit erheblichem Aufwand und erheblicher Überzeugungsarbeit gegenüber der DFG verbunden war. Berlin wurde damit zum Zentrum der Flüssigkristallforschung in Deutschland und Ort der Ausrichtungen vieler Kolloquien, Tagungen und Workshops mit hochrangiger internationaler Besetzung.

Gerd Heppke wurde von allen Mitarbeiter*innen seines großen Arbeitskreises und von seinen Kolleg*innen in höchstem Maße geschätzt. Er war ein großer Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses und prägend für seine Mitarbeiter*innen nicht nur wissenschaftlich, sondern auch menschlich. Seine Bürotür stand immer offen und er war jederzeit für alle da, sprudelte vor Ideen und Visionen und war ein warmherziger und großartiger Gesprächspartner für alle großen sowie kleinen Fragen des Seins.

Das Institut für Chemie, seine Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen werden Gerd Heppke in Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren. Gerd Heppke starb am 4. Juni 2022 friedlich nach langer schwerer Krankheit.

The 51st Conference of the Colloid Society 28 - 30 September 2022

"100 Years Colloid Society / Colloid Science - as Modern as Ever"

In this meeting we will celebrate the 100th anniversary of the Kolloid-Gesellschaft within an International Conference, focusing on the current state of Colloid Science and the directions it is going to move in the future.

The 51st  Conference of the Colloid Society is going to take place at Technische Universität Berlin, Germany, 28-30 September 2022, in the centre of the German capital Berlin. It is the biannual meeting of the Kolloid-Gesellschaft, this time in particular celebrating its foundation 100 years ago in 1922 in Leipzig. 

This conference will not only be a meeting of the German research community in the field of colloid science, but will bring together a large number of international scientist with the aim of showing the most interesting and promising recent developments in the field of Colloid Science. 

More information can be found on the webpage.

Re-Pitch von GreenCHEM am 4. Mai 2022

Am Mittwoch, den 4. Mai 2022, wird Herr Martin Rahmel, Leiter der Chemical Invention Factory, den T!Raum-Antrag namens „GreenCHEM“ vorstellen, der zur Förderung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingereicht wurde. Bei diesem Antrag handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von insgesamt 28 Partnern, bei dem die TU Berlin federführend ist. Zu den Partnern zählen u. a. FU Berlin, HU Berlin, Berlin-Chemie AG und Covestro AG. Das Ziel des Projektes ist, die Hauptstadtregion zu DEM europäischen Transferzentrum für Grüne Chemie zu machen.

Die kostenlose Anmeldung zu dieser online-Veranstaltung erfolgt unter : https://www.eventbrite.de/e/re-pitch-von-greenchem-tickets-321138974317?aff=email

Weitere Informationen zu der Veranstaltung gibt es auf der LinkedIn-Event-Seite.

Für Rückfragen steht zur Verfügung.

Wir trauern um Prof. Dr. Günther Scherowsky (1931 – 2022)

Lupe

Das Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin trauert um Professor Dr. Günther Scherowsky.

Günther Scherowsky wurde am 8. Februar 1931 in Berlin geboren und studierte nach dem Abitur Chemie an der Humboldt Universität in Berlin. 1953 wurde er im Ruderkader der HU DDR-Meister im Zweier ohne Steuermann.

Nur mit wenigen persönlichen Papieren und sehr hohem persönlichen Risiko floh Günther Scherowsky kurz nach dem Bau der Mauer in den Westteil Berlins. An der TU Berlin wurde er 1965 mit einer Arbeit zu neuartigen Cyaninfarbstoffen promoviert. Daran schloss sich bis September 1982 eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzprofessor an. Im Jahr 1974 erfolgte seine Habilitation im Fach Organischer Chemie aufgrund seiner „Untersuchungen überwiegend elektronenarmer Heterocyclen“. Von Oktober 1982 bis Dezember 1986 war er Professor im Angestelltenverhältnis und anschließend bis zum Eintritt in den Ruhestand im Februar 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent.

Sein wissenschaftliches Interesse galt der organischen Synthesechemie in ihrer ganzen Bandbreite. Von seinen Anfängen in der Farbstoffchemie führte ihn sein Weg über acide Heterocyclen als Carbenvorstufen zu Untersuchungen über die Dimerisierung von Carbenen und schließlich hin zur Synthese chiraler Dotierstoffe für Flüssigkristalle, dichroitischer Farbstoffe für die Displaytechnik sowie elektrisch schaltbarer ferroelektrischer Polymere.  Die Forschung auf dem Gebiet der Funktionsmaterialien hat Günther Scherowsky im Sonderforschungsbereich „Anisotrope Fluide“ von 1987 bis 1996 nicht nur zum Mitglied, sondern zur tragenden Säule gemacht.

Neben der Forschung galt seine große Leidenschaft der Lehre. Mit seinem pädagogischen Geschick und seiner Fähigkeit zu begeistern, hat er Generationen von Studierenden die Organische Chemie nähergebracht – dies nicht nur an der TU Berlin, sondern auch als langjähriger Lehrbeauftragter an der Technischen Fachhochschule Berlin. 

Sein jugendlich sportliches Auftreten, gepaart mit galanter herzlicher Freundlichkeit, hat sich bis ins hohe Alter erhalten. Er war ein von allen hoch geschätzter Kollege und akademischer Lehrer.

Das Institut für Chemie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Wir trauern um Prof. Dr. Ralf Steudel (1937 – 2021)

Lupe

Die Technische Universität Berlin trauert um Professor Dr. Ralf Steudel, der an ihrem Institut für Chemie über Jahrzehnte wirkte und für seine Beiträge zur Chemie der Nichtmetalle, insbesondere des Schwefels, internationale Anerkennung erfahren hat.

Ralf Steudel wurde 1937 in Dresden geboren, und zwar – wie er selbst dann und wann zu bemerken pflegte – in eine traditionsreiche Unternehmerfamilie, die in Sachsen zu den Pionieren des Automobilbaus zählte. 1954 verließ er die DDR und ging nach West-Berlin, wo er 1957 an der Freien Universität sein Chemie-Studium begann und 1963 mit dem Diplom abschloss. Schon 1965 folgte an der Technischen Universität Berlin im Arbeitskreis von Peter Wolfgang Schenk die Promotion mit einer Schrift zum Thema „Untersuchungen über niedere Schwefeloxide“.

Auch für seine Habilitation arbeitete Steudel im Umkreis dieses Mentors; sie erfolgte, überschattet vom frühen Tod Schenks 1967, im Jahre 1969 an der Technischen Universität Berlin („Präparative und spektroskopische Untersuchungen an einigen Subverbindungen der Nichtmetalle“).

1969 ernannt, wirkte Ralf Steudel als Hochschullehrer und Professor für Anorganische Chemie an der Technischen Universität Berlin, wo er im Jahre 2003 in den Ruhestand trat. Eine Gastprofessur führte ihn 1973/74 ans Spectroscopy Laboratory des MIT in Cambridge/USA zu Richard C. Lord, einem der Pioniere der Infrarot-Spektroskopie. Hier machte er sich unter anderem mit der diagnostischen Nutzung der anomalen Fern-Infrarotspektren ringförmiger Moleküle vertraut. Von 1974 bis 1978 war Steudel Stipendiat der Karl Winnacker-Stiftung. In den 80-er Jahren ergangene Rufe auf Lehrstühle in Westdeutschland (Stuttgart 1980, Köln 1987) lehnte er ab.

Dies erregte Aufsehen, doch vielleicht folgte Ralf Steudel nicht dem Diktum Dostojewskis, wonach der Mensch es liebe, nur sein Unglück zu bilanzieren, sein Glück aber zu übersehen: Человек только своё горе любит считать, а счастья своего не считает (aus den Записки из подполья, dt. Aufzeichnungen aus dem Untergrund); vielleicht wusste er, neben anderem, auch die damals großzügige Hochschulausstattung West-Berlins als großes Glück zu schätzen.

Das von ihm zusammen mit seinem bisweilen nach 15 Köpfen zählenden Arbeitskreis betriebene Forschungsprogramm war umfangreich: Es umfasste neben experimentell-synthetischen Arbeiten zur anorganischen und organischen Schwefelchemie auch experimentelle und spektroskopische Untersuchungen zur Selen-Chemie sowie theoretisch-chemische Fragestellungen; zu den letztgenannten trug insbesondere auch seine Ehefrau Yana in entscheidendem Maße bei. Die jüngsten Publikationen Steudels datieren noch vom vergangenen Jahr.

Das Feld der etwa 300 Originalarbeiten, Buchkapitel und Zuschriften Ralf Steudels führen, nach ihrer Zitationshäufigkeit, Aufsätze über „Eigenschaften von Schwefel-Schwefel-Bindungen“ und „Homocyclische Schwefelmoleküle“ an. Ihm gelang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die erstmalige Darstellung der Oxide ringförmiger Schwefelmoleküle, wie z. B. S6O, S8O oder S12O2. Eine genaue Analyse der Schwefelschmelze ergab zuvor nicht registrierte Ringgrößen bis S23. Arbeiten zu biologisch-bioanorganischen Aspekten der Schwefelchemie, insbesondere zu organischen Polysulfanen und zum Metabolismus von Schwefelbakterien, fanden gleichfalls weithin Beachtung.

Auch als Lehrbuchautor (sowie als Lehrbuchübersetzer und -bearbeiter) ist Ralf Steudel hervorgetreten. Die Chemie der Nichtmetalle, von ihm 1974 aus der Taufe gehoben, betreute und aktualisierte er durch vier Auflagen hindurch, mit Ingo Krossing, Yana Steudel und David Scheschkewitz als späteren Co-Autoren; die auf den neuesten Stand gebrachte englische Übersetzung erschien im vergangenen Jahr.

Das Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin wird Professor Steudel als akademischem Lehrer und bedeutendem Wissenschaftler ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

BOHLMANN-Vorlesung 2020 wurde auf das Jahr 2021 verschoben

Die BOHLMANN-Vorlesung 2020 wurde auf das Jahr 2021 verschoben. Sie wird gehalten von Professor Scott E. Denmark, University of Illinois, Urbana/USA. Der Vortragstitel wird zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt.

Wir trauern um Prof. Dr. Gerhard Schulze

Lupe

In der Nacht auf den 2. Dezember 2020 verstarb in Berlin Herr Professor Dr.-Ing. Gerhard Schulze in seinem 91. Lebensjahr. Das Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin trauert um einen Kollegen, der das Fach Analytische Chemie in Lehre und Forschung über viele Jahre hinweg erfolgreich vertreten hat.

Gerhard Schulze hat an der Universität Halle und sodann an der TU Berlin Chemie studiert. Nach dem Diplomexamen 1959 übte er bis 1975 wissenschaftliche Tätigkeiten in der Redaktion des Chemischen Zentralblattes aus. 1961 promovierte er bei Prof. Asmus mit einer Dissertation zum Thema „Farbreaktionen der Naphthylaminsulfonsäuren und ihre analytische Anwendung“. 1963 wurde er Wissenschaftlicher Assistent, 1966 Oberassistent und 1971 wurde er zum Professor für das Fachgebiet Analytische Chemie ernannt.

Seine Arbeitsgebiete deckten ein relativ breites Feld quantitativer analytischer Methoden vom Makro- bis zum Spuren- und Ultraspurenbereich in einer Fülle unterschiedlicher Matrices ab. Dabei ging es um die Fortentwicklung von Methoden und Strategien, um die Lösung aktueller analytische Problemstellungen, um Bewertung von Analysenergebnissen und um Qualitätskontrolle. Zu nennen wären elektroanalytische Spurenbestimmungen und die Entwicklung ionensensitiver Elektroden, atomspektrometrische Spurenanalytik, die Bestimmung von Wasserinhaltsstoffen, die Ausarbeitung von Fließanalysenverfahren, die immer noch hochaktuelle Elementspeziesanalytik und die Ionenchromatographie. Seit langem galt sein besonderes Interesse archäometrischen Untersuchungen historische Gläser, z. B. dem Goldrubinglas des Alchimisten Johannes Kunckel. Dabei standen Fragen der Herkunft, Herstellungstechnologie oder Echtheit der Objekte im Vordergrund. Überhaupt galt sein Interesse der Beschäftigung mit historischen Fragestellungen, besonders mit der Geschichte der Chemie.

Der Arbeitskreis von Prof. Schulze war stets relativ groß, er hat zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten betreut. Eine Reihe von Dissertationen lief in Kooperation mit anderen Berliner Institutionen (z. B. BAM, Bundesgesundheitsamt), ein Indiz für die Interdisziplinarität der Analytik. Er hat überhaupt nach außen ein beachtliches Maß an Engagement entfaltet und war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften und Arbeitskreisen. Herausgehoben seien auch seine Aktivitäten nach innen im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung und der Studienorganisation. Als Vorsitzender der gemeinsamen Kommission der Fachbereiche Chemie und nachfolgend des Diplomprüfungsausschusses Chemie hat er der Studienreform des Faches Chemie wichtige Impulse gegeben.

Wir verlieren mit Herrn Professor Dr. Gerhard Schulze einen liebenswürdigen, kontaktfreudigen und vielseitigen Kollegen. Das Institut für Chemie wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren, seinen Angehörigen gilt unser Mitgefühl.

Neue Juniorprofessorin am Institut für Chemie

Lupe

Seit April 2020 ist Franziska Heß Juniorprofessorin für Chemische Katalyse an der TU Berlin. Ihr Arbeitsgebiet liegt in der Modellierung von heterogenen Katalysatoren und der Katalysatorstabilität. Ihre Dissertation zum Thema „DFT-based Kinetic Monte Carlo Simulations of oxidation reactions over the RuO2(110) model catalyst surface” schloss sie 2015 unter der Betreuung von Herbert Over am Institut für Phyiskalische Chemie an der Justus-Liebig-Universität Gießen ab. Im Anschluss daran erforschte sie in der Gruppe von Bilge Yildiz am Massachusetts Institute of Technology die Triebkräfte der Zersetzung von Kathodenmaterialien in der Festoxidbrennstoffzelle. Sie erhielt 2019 eine Förderung durch das Liebigstipendium des Fonds der Chemischen Industrie, womit sie an der RWTH Aachen ihre Forschung im Bereich der Modellierung von Katalysatorstabilität vertiefte. Ziel ihrer Forschung ist, theoretische Modelle für die Langzeitstabilität von Katalysatorsystemen und passende Deskriptoren zu entwickeln, die in der Lage sind, Katalysatoren vorherzusagen, die sowohl aktiv, als auch stabil sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Optimierung existierender Simulationsmethoden für die chemische Kinetik durch die Berücksichtigung des Einflusses lateraler Wechselwirkungen zwischen adsorbierten Molekülen.

Wir trauern um em. Professor Dr. Horst Kleinkauf

Lupe

(* 13. November 1930 in Goslar,† 3. Mai 2020 in Berlin)

Am 3. Mai 2020 verstarb in Berlin Herr Professor em. Horst Kleinkauf in seinem 89. Lebensjahr. Das Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin trauert um einen bemerkenswerten Biochemiker und Organisator.

Horst Kleinkauf studierte und promovierte 1957 an der Technischen Hochschule Braunschweig. Als Postdoktorand arbeitete er an den Max-Planck-Instituten Tübingen und Göttingen mit Heinrich Matthaei an der Entzifferung des genetischen Codes und habilitierte sich 1966 an der TU Braunschweig. Von 1967 bis 1971 untersuchte er in der Arbeitsgruppe des Nobelpreisträgers Fritz Lipmann an der Rockefeller University New York die nichtribosomale Biosynthese von Peptidantibiotika. 1971 wurde Horst Kleinkauf zum ordentlichen Professor an der TU Berlin ernannt und gründete das Institut für Biochemie und Molekulare Biologie. Hier konnte er in den folgenden Jahren ein Zentrum zur Erforschung der Biosynthese biologisch aktiver Peptide aufbauen. Die Forschungsschwerpunkte waren die Aufklärung von Biosynthesewegen linearer und zyklischer Peptide, die Charakterisierung der die Synthesen katalysierenden Multienzymsysteme und die Anwendungen dieser Systeme in der Produktion analoger Naturstoffe. Bearbeitet wurden die enzymatischen Synthesen der klassischen Peptidantibiotika Gramicidin S und Tyrocidin, der Ionophore Enniatin, Beauvericin und Alamethicin, des Immunsuppressors Cyclosporin, des Cytostatikums Actinomycin, von Ergotalkaloiden und der Penicillinvorstufe Aminoadipyl-Cysteinyl-D-Valin. Diese Forschungsaktivitäten waren geprägt durch zahlreiche Kooperationen mit Kollegen an Universitäten, Max-Planck-Instituten und der Industrie. Von 1979 bis 1992 leitete Horst Kleinkauf den von ihm gegründeten Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Struktur, Funktion und Biosynthese von Peptiden und Proteinen“.

In den 70er Jahren war er Fachbereichssprecher der Fakultät für Physikalische und Angewandte Chemie und Mitglied des Konzils der Technischen Universität Berlin. Bereits in dieser Zeit bemühte er sich um den Aufbau von Beziehungen zu Kollegen in der damaligen DDR und Osteuropa. Seit 1985 war er Mitglied der Leopoldina und Träger mehrerer Auszeichnungen wie der Heyrovský-Medaille in Gold und des Preises des Kitasato-Instituts, Tokyo.

Er engagierte sich bei der Organisation internationaler wissenschaftlicher Veranstaltungen, und war Chairman der 17. FEBS (Federation of European Biochemical Societies) Konferenz in Berlin (1986) und dann Counsellor der folgenden Konferenzen von 1988 bis 1996. Von 1991 bis 1998 war er Generalsekretär der International Union of Biochemistry and Molecular Biology IUBMB). Von 1996 bis 1999 war Horst Kleinkauf Vertreter Deutschlands bei dem „General Committee of the International Council of Scientific Unions“ (ICSU) und von 1999 bis 2002 Vizepräsident für externe Beziehungen des ICSU –Vorstands.

Horst Kleinkauf war in seiner Zeit an der TU Berlin 1971 bis 2005 ein unermüdlicher und erfolgreicher Organisator beim Aufbau eines neuen Forschungsgebiets, sowie eines Instituts an dem zahlreiche Kollegen ausgebildet wurden und promovierten mit einer besonderen Verknüpfung akademischer und industrieller Forschungsaktivitäten.

Wir trauern um Professor Dr. Gerhard H. Findenegg

Prof. Gerhard H. Findenegg
Lupe

Das Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin trauert um den Physikochemiker Professor Dr. Gerhard H. Findenegg.

Herr Professor Findenegg studierte Chemie an der TU Wien und promovierte im Jahr 1965 am Institut für Physikalische Chemie der Universität Wien bei Professor Dr. F. Kohler. Von 1966 bis 1968 war er als Postdoktorand an der University of Bristol bei Professor D. H. Everett. In dieser Zeit beschäftigte sich Professor Findenegg mit Adsorption und Ordnungsphänomenen von Kettenmolekülen an Festkörperoberflächen. Anschließend habilitierte er sich 1973 am Institut für Physikalische Chemie der Universität Wien. Das Thema seiner Habilitationsschrift lautete: „Grenzschichten von Flüssigkeiten an der Graphitoberfläche“.

Von 1973 bis 1990 war er Professor für Physikalische Chemie an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1991 bis 2005 lehrte und forschte er als Professor für Physikalische Chemie an der Technischen Universität Berlin. Im Jahr 1998 wurde ihm der renommierte Wolfgang-Ostwald-Preis der Kolloidgesellschaft für seine herausragende wissenschaftlichen Leistung auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie der Kolloid- und Grenzflächenphänomene verliehen. Und im Jahr 2005 wurde er zum Honorarprofessor an der North Carolina State University ernannt.

Während seiner Zeit als Professor an der Technischen Universität Berlin hat er zwei Verbundprojekte mit initiiert und diese maßgeblich inhaltlich gestaltet. Den Sonderforschungsbereich 448 „Mesoskopisch strukturierte Verbundsysteme“ leitete er als Sprecher von dessen Einrichtung 1998 über zwei Förderperioden bis zum Jahr 2004. Ab 2009 arbeite er als Projektleiter an zentraler Stelle im deutsch-amerikanischen Internationalen Graduiertenkolleg 1524 „Self-assembled soft matter nanostructures at interfaces“ mit. Als Mitglied der Strukturkommission dieses Projekts gestaltete er die wissenschaftliche Ausrichtung dieses Verbundprojektes über viele Jahre aktiv mit. Er blieb diesem Projekt bis zum Ende der Förderperiode 2018 als assoziiertes Mitglied beratend erhalten.

Professor Dr. Gerhard H. Findenegg war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, sondern auch ein begeisternder akademischer Lehrer mit einem großen pädagogischen Gespür. Er hat Generationen von Studierenden für sein Fach, die Physikalische Chemie, begeistern können und nicht wenige haben aus Gründen dieser Faszination später selbst eine akademische Laufbahn eingeschlagen.

Wir verlieren mit Professor Dr. Gerhard H. Findenegg einen außerordentlichen Wissenschaftler, hochgeschätzten Kollegen und warmherzigen und humorvollen Menschen. Er hinterlässt eine große Lücke. Das Institut für Chemie wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Preis für vorbildliche Lehre 2019

Prof. Dr. Rüdiger Zarnekow, Prof. Dr.-Ing. Hans-Ulrich Heiß, Dr. Züleyha Yenice Campbell, Dr. Franz-Josef Schmitt und Prof. Dr. Thomas Friedrich
Lupe

Das Online-Projektlabor „Chemie im Alltag“ (OPL Chemie) und das Modul „Einführung in die Wirtschaftsinformatik“ sind zwei Lehrveranstaltungen an der TU Berlin, die mit dem" Preis für vorbildliche Lehre 2019" der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V. ausgezeichnet wurden.

Hier geht es weiter zum Artikel...

Yuwen Wang im Finale des Reaxys PhD Preises

Lupe

Yuwen Wang, Doktorandin in der Gruppe von Prof. Matthias Drieß, ist eine von 45 Finalisten um den Reaxys PhD Preis 2019. Die Jury würdigte ihre Publikation “An Isolable Bis(silylene)-Stabilized Germylone and Its Reactivity” im Journal of the American Chemical Society.

Insgesamt wurden in diesem Jahr 360 Beiträge von extrem hoher Qualität von Chemikerinnen und Chemikern aus aller Welt in den Wettbewerb um den Reaxys PhD Preis eingereicht.

Das Symposium zum Reaxys PhD Preis findet am 3. und 4. Oktober 2019 in Amsterdam statt. Dort treffen sich alle Finalisten, präsentieren ihre Forschung auf einem Poster und sprechen mit den Mitgliedern des Beirats von Reaxys. Abschließend werden drei Gewinner*innen vom Beirat ausgewählt.

In der eingereichten Arbeit haben Yuwen Wang et al. den ersten Germaniumkomplex mit einem nullwertigem Germaniumatom (ein sogenanntes "Germylon") synthetisiert, der durch zwei Silylen-Donatoren stabilisiert wird. Die Autoren zeigten durch die Analyse der Bindungsorbitale des Germylons, dass in dem Komplex eindeutig ein nullwertiges Ge0-Atom mit zwei einsamen Elektronenpaaren vorliegt, was zu einer ungewöhnlichen Reaktivität durch die hohe Elektronendichte führt. Im Gegensatz zu Übergangsmetallen sind nullwertigen Hauptgruppenelementen in Verbindungen sehr selten und zeigen eine hohe Reaktivität bei der Aktivierung kleiner Moleküle. Besonders erwähnenswert ist, dass das Germylon B–H-Bindungen in Hydroboranen aktivieren kann und  eine heterolytische Wasserstoffaktivierung in Gegenwart von Triphenylboran ermöglicht.

Über den Reaxys PhD Preis

Der Reaxys PhD Preis, der von Elsevier verliehen wird, würdigt junge Chemiker*innen für innovative und anspruchsvolle Forschung. Der weltweite Wettbewerb steht allen offen, die eine Doktorarbeit in einer chemischen Disziplin durchführen oder kürzlich abgeschlossen haben.

"Zukunftsfabrik in Berlin" - Artikel im "chemie report"

Der Transfer von Wissen und Technologien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft hat sich in verschiedenen Industrien als effektiver Weg zur Förderung des Nachwuchses sowie innovativer Produkt- und Geschäftsideen etabliert. Der Wissenschaftsstandort Berlin punktet dabei im Bereich der Chemie mit einem Alleinstellungsmerkmal bei der Förderung neuer Karrierewege: ein eigenes Vorgründungszentrum für "Grüne Chemie" entsteht.

Hierzu hat das CIF den Artikel "Zukunftsfabrik in Berlin" in der aktuellen Ausgabe des "chemie report" veröffentlicht.

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe