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SAI-LabNachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Hochschule

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Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Hochschule

Artikel: Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Hochschule

Im Artikel wird über das nachhaltige Lieferkettenmanagement in der Hochschule nachgedacht. Gibt es Lieferkettenmanagement auch an Hochschulen, und wenn ja, welche Produkte und Dienstleistungen werden dabei betrachtet. Werden die Lehre und das Lernen (akademische Abschlüsse) und die wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (Wissen, Produkte) gleichermaßen "nachhaltig" und "langanhaltend" gesteuert? Was sind die Lieferketten zu den Ressourcen der Vor- und Zwischenprodukte und den jeweiligen Produkten und Dienstleistungen von Hochschulen?

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Hier gibt es Neuigkeiten bis zum 30.06.2022 (letzter Tag der Aktualisierung). Alle Informationen an der neuen "Tankstelle"! Diese Seite, wie auch alle anderen Seiten von www.chemie.tu-berlin.de/sai_lab, ziehen bis zum 31.12.2022 um auf www.sai-lab.de!
Die Projekte, Initiativen, Kampagnen und Publikationen und Veranstaltungen, sowie die Online-Kontakte zu Freunden vom dem Reallabor für nachhaltige Entwicklung, sowie der Mikro Think Tank für Nachhaltigkeit, werden unter www.sai-lab.de fortgesetzt ....

Nachhaltige Hochschulwirtschaft und Lieferkettenmanagement

Lupe

23.11.2021, von Michael Hüllenkrämer

Strategie der Internationalisierung
Die Elemente der Internationalisierung haben, bis hin zur Globalisierung, in den Strömen von Waren und Dienstleistungen, in den vergangenen Jahrzehnten, eine breite, tiefe und komplexe Vernetzung in globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten hervorgebracht. Damit einhergehend ist Undurchsichtigkeit, Abhängigkeit und Intransparenz bei den Waren und Dienstleistungen zu verzeichnen. Bei vielen Waren und Dienstleistungen sind weder der Weg (Transport), die Stationen (Produktion), noch die ursprünglichen Quellen (Material) ausreichend gut bekannt, um deren Nachhaltigkeit beurteilen zu können.

Werden Materialien, Produktion und Transport diversifiziert und internationalisiert, kann, bei vielfacher vertikaler und horizontaler Vernetzung in der Wirtschaft bestimmter Waren und Dienstleistungen, der „Zusammenhang“ für die Kennzeichnung der resultierenden Nachhaltigkeit verloren gehen. Wenn der Zusammenhang aus allen Schritten der Herstellung, der Stationen der Produktion und der Wege des Transports nicht gut erfasst und standardisiert als Information weiter gegeben wird, entsteht mitunter eine missliche Gemengelage aus fehlenden Informationen und „Stiller Post“. Gute Daten und Informationen sind jedoch eine Voraussetzung für erforderliches Wissen für und über Nachhaltigkeit. Das gilt besonders für Lieferketten als Teil von Produktbilanzen für die Beurteilung von Nachhaltigkeit.

Wenn zwischen den Akteuren der Wirtschaft bestellte und gelieferte Waren und Dienstleistungen, vom Rohstoff (Material), sowie über alle Stationen der Produktion, sowie zur Lagerung und zum Transport, nicht ausreichend dokumentiert werden, können resultierende Waren und Dienstleistungen nicht für die Belange der Nachhaltigkeit bezeichnet oder gekennzeichnet werden.

Akademische Produkte und Dienstleistungen
Was für das heutige Lieferkettenmanagement vieler Branchen zutrifft, trifft auch für alle Waren und Dienstleistungen von Hochschulen zu. Die typischen Produkte an einer Hochschule sind die Lehre mit dem "Produkt" der Akademikerinnern und Akademiker, oder die Ergebnisse aus der „Forschung & Entwicklung“ als klassische akademische Dienstleistung. Diese Dienstleistungen umfassen in der Regel die hergestellten Artikel, Schriften, Berichte und Bücher. Aber auch die „Akademikerin“ und der „Akademiker“ benötigten Ressourcen im Prozess des Studiums. Welche Dinge, Materialien oder welche Energie werden für die Lehre und das Lernen eingesetzt (und verbraucht)? Was sind die Kennzahlen, bezogen auf einen Studiengang und die darin stattfindende „Akademisierung“, anhand derer sich akademische Produkte und Dienstleistungen nachhaltig bemessen und managen lassen?

Neben den sozialen und ökologischen Auswirkungen der weltweit vernetzten Wissenschaften sind es auch die entsprechenden Beziehungen von Verwaltung, Lehre und Forschung, die Lieferkettenmanagement in den Fokus rücken lassen. Wo werden welche Arbeitsmaterialien und Arbeitsmittel eingesetzt, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen? Was sind die Rohstoffe für Wissenschaft und akademische Ausbildung? Welche bilanzbaren Zwischenprodukte führen zu einem Bachelor-Abschluss, die, anhand welcher weiterer Schritte und eingesetzter Ressourcen, zur einer Habilitation führen können? Was wird von wem beschafft, bereitgestellt und gemanagt? Welche Stellschrauben werden gedreht, genutzt und auf Nachhaltigkeit eingestellt? Dies alles skizziert - aus der „binnen“ Hochschulsicht - die Verantwortung für nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Hochschule selbst. Nichts liegt näher als die „Unternehmenssicht“ in den Bereich der Hochschule zu übertragen und als Aufgabe der hochschulischen Betriebswirtschaft („Hochschulwirtschaft“) wahrzunehmen.

Vernetzung ist ein Indikator
Die hochgradige Vernetzung ist ein Indikator für den Bedarf nach einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement. Wenn Waren und Dienstleistungen von Hochschulen durch regionale Netzwerke, nationale Verbünde, europäische Projekte, multinationale Förderung, sowie durch diverse Kooperationen und internationale Vereinbarungen miteinander vernetzt, verbunden und verquickt sind, dann ist dafür auch ein transparentes, nachhaltiges Lieferkettenmanagement einer jeden Hochschule wichtig. Ein solches nachhaltiges Lieferkettenmanagement umfasst alles Cluster benötigter Ressourcen, Dinge, Materialien und Energie, wie diese für Lehre und Forschung üblich sind. Mit einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement können die Bausteine der akademischen Bildung zu einem Abschluss (Bachelor, Master, Dissertation und Habilitation) ebenso als „mehr oder weniger“ nachhaltig gekennzeichnet werden, wie die gesprochenen, geschriebenen oder auf sonstige Art und Weise „medial“ veröffentlichten wissenschaftlichen Produkte und Dienstleistungen (von der Vorlesung, über die materiellen Entwicklungen und Erfindungen bis zum Fachbuch).

Bei Komplexität hilft Transparenz
Wenn in Bereichen der Wirtschaft bei Liefer- und Wertschöpfungsketten eine zunehmende Komplexität mit den skizzierten Entwicklungen einhergeht, dann hat dies innerhalb aller wissenschaftlichen Bereiche, einschließlich der Verwaltung, auch Rückkopplungen, die sich auf Nachhaltigkeit auswirken. Diese Komplexität, hervorgerufen etwa durch das „Outsourcing“ von Leistungen, die Verkürzung von Studiengängen, sowie die Aufgliederung der Landschaft aus Entwicklung, Forschung und Förderung in potentiell mehrere Betriebe aus Alma Mater, Start-Ups oder einem vielgestaltigem Entrepreneur, erschwert es den Hochschulen, die Übersicht über ihre „akademischen“ Bedingungen der vernetzten Wechselwirkung, einhergehend mit anderen Nebenwirkungen auf Mensch und Natur zu behalten. Daher bedeutet Nachhaltigkeit in der Hochschulwirtschaft auch die akademische Kompetenz, ausgehend von guter wissenschaftlicher Praxis, diese vermeintliche Komplexität in einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement der Hochschule zu strukturell für benötige Kenndaten zu entflechten. Ist das Lieferkettenmanagement an der Hochschule erst einmal entflochten, besteht die Grundlage es nachhaltig zu definieren und Ziele für nachhaltige Entwicklung zu formulieren.

Gesellschaft – Hochschule - Wirtschaft
Im Zuge dieser Entwicklung erhöht sich daher der Druck auf Hochschulen, sich erneut ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu sein. Im Hinblick auf die hervorgerufenen Auswirkungen, gilt es, insbesondere über die Führung von Hochschulen, verantwortungsvoll zu handeln: Nachhaltiges Lieferkettenmanagement in der Hochschule ist eine Grundlage für gute akademisches Handeln. Das bedeutet, im konkreten Sinne, die „komplexen“ Liefer- und Wertschöpfungsketten des hochschulischen Lebens- und Wirtschaftens, wie des akademischen Wirkens, zunächst offenzulegen, damit Nachverfolgbarkeit zu schaffen und darüber gezielt strategische und operative Maßnahmen zur Ökonomie einzuleiten, um grundsätzliche Vorgaben für soziale und ökologische Nachhaltigkeit umzusetzen. Im Besonderen bedeutet diese Transparenz auch, die Verantwortung für das eigene Verwaltungshandeln, die Forschungstätigkeit, die Lehrumgebungen, das Outsourcing oder sonstige Aspekte der eigenen wissenschaftlichen Aktivitäten, zu übernehmen. Die Umsetzung dieser Transparenz und Offenheit stünde allen Hochschulen gut zu Gesicht, ist jedoch alles andere als einfach. Was einmal zu einmal Filz verschmolzen ist, lässt sich nur schwer neu spinnen. Es erfordert ein Höchstmaß an gesellschaftlichem, hier akademischem, Verantwortungsbewusstsein, gestalterischem Führungswillen und einer institutionellen Nachhaltigkeitskultur, die über den reinen Beschaffungssektor hinausschaut. Wenn die Bilanzen und die Logistik der Ströme von Produkten und Dienstleistungen aus Lehre, Wissenschaft und Forschung transparent und visualisiert sind, dann kann die Überprüfung erfolgen, die auch eine nachhaltige Entwicklung bei den „akademischen Praktiken“ einleitet. Dafür wäre ein Dialog über die Liefer- und Wertschöpfungsketten an Hochschulen zu eröffnen, der einen Prozess der nachhaltigen Entwicklung entfacht.

Gute Wissenschaftliche Praxis für Hochschul-Lieferketten-Transparenz
Die Ansätze für die Transparenz der Lieferketten (Supply Chain Transparency) und Bilanzen liefern durchaus Ansätze für akademische („inner-hochschulische“ und „qualitativ-wissenschaftliche“) Strategien und Prozesse, die auch, durchaus intensiver und „inhärenter“, mit wissenschaftlichen Studien begleitet werden dürfen. Es geht auch darum im wissenschaftlichen Betrieb von Forschung und Lehre selbst, als Studentin, als Wissenschaftlerin und als Mitarbeiterin der Verwaltung hinein zu schauen: tief, breit und hoch, oder; disziplinär, interdisziplinär und transdisziplinär. Es geht auch darum, den Blick für „Umsetzungsmöglichkeiten und Potenzial von Transparenz für nachhaltige Entwicklung von Liefer- und Wertschöpfungsketten“ direkt vor Ort in den Hochschulen zu erkennen. Es gilt den Blick von der Forschung und Beratung der Wirtschaft nun auch auf die eigene Organisation „Hochschule“ zu lenken, insbesondere dann, wenn dazu bisweilen lediglich mit dem Blick „nach außen“ geforscht wurde. Im Besonderen geht es dabei um die Rolle der Hochschule selbst, als eine Einrichtung, Institution und Organisation mit nachhaltigen Lieferketten. Denn die Lieferketten in und an einer Hochschule sind speziell. Es sind eben hochschulische Ketten und Netze, die es zu betrachten gilt. Hierbei sollen alsbald die primären Produkte der Hochschulen (Lehre, Forschung) und die vielgestaltigen Vorprodukte, wie beispielsweise Modulleistungen in den Studiengängen oder Schreibwerkstätten für wissenschaftliche Veröffentlichungen, transparent gemacht werden, um die inhärente Nachhaltigkeit zu bezeichnen und zu entwickeln. Auch Hochschulen können selbst ein vitaler Teil von transparenten Lieferketten sein, wenn sie dazu ein passendes nachhaltiges Management vor Ort betreiben.

Fragen über Fragen zu Lieferketten an Hochschulen
Gibt es aktuelle Projekte zur Erforschung und Entwicklung von kombiniert „sozialen, ökologischen und ökonomischen“ Standards, Rahmenkonzepten und Managementstrategien für nachhaltige Lieferketten in Hochschulen? Welche Grundlagen lassen sich, beispielsweise zum Gemeinwohl, auf die kriterienbasierte Ausrichtung von Lieferketten an Hochschulen heranziehen?

Wo sind bereits die ersten Managementstrategien für interne Lieferketten an Hochschulen vorhanden, die Transparenz in diese Lieferketten bringen, beziehungsweise das Wissenschaftssystem der Hochschulen strukturell nach der „Bilanz“ wissenschaftlicher Produkte und Dienstleistungen oder dem akademischen Produkt-Portfolio aus der Brille der Nachhaltigkeit betrachten?

An welchen Universitäten und deren Netzwerken sind bereits Produkte und Dienstleistungen untersucht worden, um sich damit in die gesamtgesellschaftliche und global-ökonomische Nachhaltigkeit zu Lieferketten aktiv einzubringen?

Welche Technologien und Methoden werden an Hochschulen und Universitäten eingesetzt und angewendet, um die Prozesse der Nachhaltigkeit in Ketten und Netzen von akademischen Produkten und akademischen Dienstleistungen gezielt zu untersuchen, um diese nachhaltig gestalten zu können?

Welche Projekte oder Konzepte untersuchen derzeit die Sichtbarkeit und Nachvollziehbarkeit in Lieferketten von Lehre und Forschung, sowie deren Dienstleistungen, in hochschulischen Kategorien?

Wie gelingt es Hochschulen und Universitäten, als Teil in der globalen Welt und lokaler und regionaler Kulturen, in der globalisierten Wirtschaft und bei einer weltumspannenden Wissenschaftsbeziehung, die Logistik und die Nachhaltigkeit der vielfach „verketteten“ und miteinander „vernetzten“ akademischen Prozesse auf eine Art und Weise transparent zu machen, an der nachhaltige Entwicklung ansetzten kann?

Was sind die typischen, teils komplexen „Liefer- und Wertschöpfungsketten“ der Wirtschaft, wenn dies auf eine Hochschule übertragen wird, die als wirtschaftliche handelnde Einheit betrachtet wird?

Wie werden „Liefer- und Wertschöpfungsketten“ an Hochschulen bezeichnet und beschrieben? Wie gut ist der Informations- und Wissensaustausch zu den typischen akademischen “Liefer- und Wertschöpfungsketten“ in und an Hochschulen?

Welche Hochschule hat sich bereits den Spiegel vorgehalten, um eine Aussage zur eigenen Rolle bei Lieferketten zu machen? Welche Hochschule hat sich analysiert, um Gleichartigkeit und Andersartigkeit (Funktionen, Produkte, Leistungen) im Unterschied zu internationalen “Liefer- und Wertschöpfungsketten“ anderer Branchen zu betrachten? Mit welchen Organisationen des Staates oder den Unternehmen der Wirtschaft sind Hochschulen zu „Lieferketten“ am besten vergleichbar?

Danksagung
Danke an die Autorin oder den Autoren des Beitrags „nachhaltiges Lieferkettenmanagement“ von der Technischen Hochschule Nürnberg. Der Artikel lieferte den Impuls und die Grundlage für die auf „Innensicht der Hochschulen“ akzentuiere und „umgeschriebene“ Fassung (siehe https://www.th-nuernberg.de/einrichtungen-gesamt/wissenschaftliche-und-forschungskooperationen/nuremberg-campus-of-technology/technik-wirtschaft-gesellschaft/forschungs-und-arbeitsfelder/sustainable-supply-chain-management/).

Danke an Liza Sander für die kritische und anregende Kommentierung des Entwurfs.

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